Experteninterviews

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Interview mit Gerald Bachinger

1. Was ist Ihre Vision einer Digitalisierung im österreichischen Gesundheitssystem?

Österreich hat durch die elektronische Gesundheitsakte eine gute Ausgangslage. Wir haben mit ELGA eine sichere Infrastruktur, also ein sicheres Schienennetz, auf dem noch verschiedene Züge fahren könnten.
Die bisher verwendeten Applikationen beschränken sich zwar auf einen bloßen Austausch von Gesundheitsdaten bzw. auf die Vernetzung der Informationen, die in verschiedenen dezentralen Einrichtungen gespeichert sind, könnten aber sofort umfangreich erweitert werden. In dieser Hinsicht schwebt mir vor, dass ELGA als sichere Plattform für Anwendungen, wie etwa die intensivere Beratung und Betreuung von chronisch kranker Patienten, ausgebaut werden könnte.

2. Wie könnte man aus Ihrer Perspektive den Bedürfnissen und Erwartungen der Patienten durch Digitalisierung besser entsprechen? Welche sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Punkte, an denen man ansetzen sollte?

  1. Der Nutzen für die PatientInnen ist das ausschlaggebende Kriterium für den Einsatz.
  2. Die Mobilität wird ein zentraler Punkt werden und gleichzeitig werden orts- und zeitabhängige Strukturen immer mehr in den Hintergrund treten.
  3. Die Bürger, Nutzer und Patienten müssen endlich ins Boot geholt werden und ein professionelles Akzeptanzmanagement aufgesetzt werden.

3. Welche Aspekte der Digitalisierung im Gesundheitsbereich werden Ihrer Meinung nach überbewertet, welche unterbewertet?

Der Nutzen, die vielfältigen neuen Services, die Hebung der Qualität und der Patientensicherheit wird viel zu wenig betont. Dazu kommt aber auch, dass die ethischen Fragen noch kaum berührt und angesprochen sind und noch aufgearbeitet werden sollten.
Überbetont werden die Risiken, wie etwa die dauernden Diskussionen um den angeblich mangelnden Datenschutz.

4. Welchen Schritt würden Sie als nächstes setzen?

Eine zielgerichtete Deregulierung, damit neue Ideen möglichst schnell in eine praktische Erprobungsphase treten können. Dazu kommt eine gezielte Förderung der Zusammenarbeit zwischen der innovativen Wirtschaft (wie etwa start ups) und den herkömmlichen Gesundheitseinrichtungen und öffentlichen Stellen, die solche Innovationen, aus sich selbst, nicht hervorbringen können.

Interview mit Michael Schneider

IDC: Was ist Ihre Vision einer Digitalisierung im österreichischen Gesundheitssystem?

Michael Schneider: Die Digitalisierung im österreichischen Gesundheitssystem wird helfen, die gesunden Lebensjahre der Österreicher zu verlängern. Die Annahme, dass öffentliche Player in der Digitalisierung anders agieren können als private ist dabei ein Mythos. Seine Kunden zu verstehen und passende Services anzubieten ist eine Basisanforderung – besonders in der Gesundheitsversorgung. Auch wir, die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA), arbeiten deshalb daran, durch Digitalisierung die jährlich zehntausenden Neuanmeldungen und die damit einhergehende laufend steigende Versichertenzahl kundenfreundlich zu bewältigen. Unser Ziel ist es, interne und externe Prozesse mit digitaler Unterstützung effizienter und die Customer Experience optimal zu gestalten. Die Interaktionen mit uns soll so einfach werden wie eine Online-Flugbuchung.

IDC: Gilt das auch für die SVA-Gesundheitseinrichtungen, für die Sie zuständig sind?

Michael Schneider: Ja, das gilt auch für unsere Gesundheitseinrichtungen, die Herzreha Bad Ischl, das SVA-Gesundheitszentrum in Wien, das Neurologische Zentrum Rosenhügel und das Klinikum Malcherhof Baden. Für den Bereich der Leistungserbringer bedeutet Digitalisierung eine noch bessere Unterstützung der Patienten beim Gesundwerden und Gesundbleiben. Smarte Devices können unseren Kunden künftig in der Prävention helfen, aber auch während einer Rehabilitation, während eines stationären Aufenthalts bei uns, und insbesondere auch danach. Wenn Patienten Wearables und andere digitale Tools im Sinne einer dauerhaften Gesundheits-Begleitung freiwillig einsetzen und online-gestützt und damit ortsunabhängig mit Ärzten, Pflegern und Therapeuten interagieren, hilft das ungemein: einerseits ihrer Gesundheit – und volkswirtschaftlich gesehen auch dem System bei der Einsparung von Kosten.

IDC: Wie könnte man aus Ihrer Perspektive den Bedürfnissen und Erwartungen der Patienten durch Digitalisierung besser entsprechen? Welche sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Punkte, an denen man ansetzen sollte?

Michael Schneider: Digitalisierung muss ganzheitlich und kundenzentriert gesehen werden. Ob ein Service durch Digitalisierung einfacher, schneller und ortsunabhängiger abrufbar gemacht wird, ob es etwas transparenter oder übersichtlicher macht – auch bei der Digitalisierung gilt wie bei allen anderen Angeboten: Hat es einen Nutzen, wird es erfolgreich sein.

IDC: Welche Aspekte der Digitalisierung im Gesundheitsbereich werden Ihrer Meinung nach überbewertet, welche unterbewertet?

Michael Schneider: Ganz klar überbewertet wird häufig die Komplexität von Digitalisierungsprojekten. Die Technologien sind erprobt und der Bedarf ist vorhanden. Unterbewertet wird oft die Nachfrage nach diesen Services – die junge Generation will mit digitalen Services abgeholt werden, etwas Anderes ist für sie komplett unverständlich.

IDC: Gibt es bereits aktuelle/geplante DX-Projekte bei der SVA?

Michael Schneider: In der SVA wurde bereits 2016 der Transformations- und Digitalisierungsprozess SVA2020 gestartet. Teil dieses Digitalisierungsprozesses sind zahlreiche Projekte mit dem Ziel, den Kundennutzen zu steigern und unsere Prozesse effizienter zu gestalten – um schlussendlich mehr Zeit für persönliche, individuelle Interaktion in der Kundenberatung zu schaffen. Hier nur drei Beispiele von vielen, die bereits in Betrieb sind:
   1. Mit dem SVA-Gesundheitszentrum kombinieren wir hohe Qualität in der Vor-Ort-Betreuung mit digitaler Unterstützung, wie etwa Online-Terminvereinbarungen für verschiedene Präventionsprogramme oder bei Allgemeinmedizinern und Fachärzten, Terminerinnerung inklusive. Das SVA-Gesundheitszentrum bietet außerdem „vernetztes Training“ an, damit wird der Übergang zwischen unseren stationären Einrichtungen und der ambulanten Betreuung wesentlich einfacher: Mittels ID-Karte stellen sich die Trainingsgeräte vollautomatisch auf die individuellen Bedürfnisse des Trainierenden ein; Patienten- und Therapiedaten, Geräteeinstellungen und Trainingsfortschritte können auf Wunsch zentral und häuserübergreifend gespeichert werden, sodass Ärzte und Therapeuten rasch die weitere Therapie festlegen können.
   2. Mit den SVA-Online-Services haben SVA-Kunden bereits zeit- und ortsunabhängig die Übersicht über ihr Beitrags- und Pensionskonto, erfolgte Gesundheitsbehandlungen, sowie Versicherungsbestätigungen, den Bewilligungsstatus von Rechnungen und Verordnungen sowie das digitale SV-Postfach.
   3. Auch via SVA-App können Versicherte bereits Rechnungen oder Verordnungen zur Bewilligungen einreichen.

Wir erweitern unsere digitalen Dienste laufend. Außerdem startet noch dieses Jahr die erste Pilotgruppe eines Smart Präventions-Programmes. Kunden erhalten hier digitale Unterstützung mittels Wearables und anderer onlinefähiger Geräte kombiniert mit automatischer Datenerfassung sowie zentraler Unterstützung durch geschultes medizinisches Personal und digitaler Feedback-Möglichkeit. Danach bereiten wir Piloten im Bereich der Telerehabilitation vor.

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