Experteninterviews

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1. Was ist Ihre Vision einer Digitalisierung im österreichischen Gesundheitssystem?

Österreich hat durch die elektronische Gesundheitsakte eine gute Ausgangslage. Wir haben mit ELGA eine sichere Infrastruktur, also ein sicheres Schienennetz, auf dem noch verschiedene Züge fahren könnten.
Die bisher verwendeten Applikationen beschränken sich zwar auf einen bloßen Austausch von Gesundheitsdaten bzw. auf die Vernetzung der Informationen, die in verschiedenen dezentralen Einrichtungen gespeichert sind, könnten aber sofort umfangreich erweitert werden. In dieser Hinsicht schwebt mir vor, dass ELGA als sichere Plattform für Anwendungen, wie etwa die intensivere Beratung und Betreuung von chronisch kranker Patienten, ausgebaut werden könnte.

2. Wie könnte man aus Ihrer Perspektive den Bedürfnissen und Erwartungen der Patienten durch Digitalisierung besser entsprechen? Welche sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Punkte, an denen man ansetzen sollte?

  1. Der Nutzen für die PatientInnen ist das ausschlaggebende Kriterium für den Einsatz.
  2. Die Mobilität wird ein zentraler Punkt werden und gleichzeitig werden orts- und zeitabhängige Strukturen immer mehr in den Hintergrund treten.
  3. Die Bürger, Nutzer und Patienten müssen endlich ins Boot geholt werden und ein professionelles Akzeptanzmanagement aufgesetzt werden.

3. Welche Aspekte der Digitalisierung im Gesundheitsbereich werden Ihrer Meinung nach überbewertet, welche unterbewertet?

Der Nutzen, die vielfältigen neuen Services, die Hebung der Qualität und der Patientensicherheit wird viel zu wenig betont. Dazu kommt aber auch, dass die ethischen Fragen noch kaum berührt und angesprochen sind und noch aufgearbeitet werden sollten.
Überbetont werden die Risiken, wie etwa die dauernden Diskussionen um den angeblich mangelnden Datenschutz.

4. Welchen Schritt würden Sie als nächstes setzen?

Eine zielgerichtete Deregulierung, damit neue Ideen möglichst schnell in eine praktische Erprobungsphase treten können. Dazu kommt eine gezielte Förderung der Zusammenarbeit zwischen der innovativen Wirtschaft (wie etwa start ups) und den herkömmlichen Gesundheitseinrichtungen und öffentlichen Stellen, die solche Innovationen, aus sich selbst, nicht hervorbringen können.

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